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Charly Loth ließ sich bis 1983 an FH Ottersberg in Niedersachsen ausbilden. Mit verschiedenen Stipendien und Preisen wurde sein Schaffen bereits direkt nach dem Studium ausgezeichnet. Seit 1989 lebt und arbeitet der Bildhauer in Freiburg im Breisgau. Neben seinem Engagement in einer Vielzahl von Bildhauersymposien im In- und Ausland, nahm Loth bis 2013 immer wieder Lehraufträge an Hochschulen an. Namhafte Galerien aus Deutschland und der Schweiz präsentieren seine Werke in Ausstellungen und Kunstmessen. Seine Skulpturen befinden sich in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen. So wurde 2015 eine Arbeit Charly Loths vom Land Baden-Württemberg angekauft und vor dem Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg aufgestellt. Auf die sorgfältige Bearbeitung der Oberfläche des Holzes verwendet Loth große Aufmerksamkeit. Der Bildhauer verleiht seinen Werken eine haptische Qualität, der bei uns den Wunsch entstehen lässt, diese Skulpturen zu berühren und über das Holz zu streichen.
In den farbig gefassten Arbeiten verschwinden die einzelnen Details der Maserung des Holzes sowie dessen Tönung. Unsere Aufmerksamkeit wird auf die Flächen gelenkt. Aus der Distanz heraus beginnen die Kanten und Flächen – wie beispielsweise in Gelb offen – in ihrem Zusammentreffen eine malerische Qualität zu entwickeln. Finden in sich zu einem Bild von Skulptur zusammen. Beim Herantreten an die farbig gefassten Skulpturen gewinnen die Körper unsere Aufmerksamkeit zurück.
Alle Bildhauereien Charly Loths entstehen nach einem gemeinsamen Prinzip. Auf großen Papieren entwickelt der Künstler Skizzen und Studien zu einem hölzernen Objekt. Fertigt gezeichnete, detaillierte Ansichten von verschiedenen Seiten des auszuführenden Objekts an. Dann beginnt Loth die Suche nach einem geeigneten Holzblock. In diesen für seine Entwürfe entdeckten Block denkt und fühlt sich der Künstler hinein. Der Bildhauer entdeckt sich und für uns die Räume, die dem Holz selbst innewohnen. Und dies meistens auf die Weise, dass er Block als Ganzes noch erkennbar bleibt. Als dürfe das sich im Entstehen befindende Werk niemals den Bezug seiner Herkunft verlieren. Loth arbeitet mit der Kettensäge und dies erfordert eine gründlich durchdachte und geplante Schnittfolge. Dabei löst Loth die blockhafte Form auf, um den umgebenden Raum selbst zum Bestandteil des Werks zu machen. Es sind diese mit der Kettensäge neugeschaffenen Oberflächen, Durchbrüche, Kanten und Streben oder Körper aus einem Block.
Vorsichtig lässt der Künstler Streben stehen, die als Achse fungieren. Die Körper, die Loth aus dem Block löst ohne diesen jemals vollständig aus der ursprüngliche Form zu nehmen, vermitteln Beweglichkeit. Titel, wie „Swing“, „Turn“ oder „Move“ verweisen auf dieses besondere Merkmal. Mit dieser Eigenschaft ausgestattet scheinen seine Skulpturen einmal mehr in die Lage versetzt, ihre Umgebung zu erobern und sie zu einem Teil ihrer selbst zu machen. Oder andersherum gedacht: Indem wie sich die Körper zueinander versetzen lassen, treten sie aus der ursprünglichen Geschlossenheit des Blocks heraus und werden in die Lage versetzt den sie umgebenden Raum einzufangen, um ihn zu gestalten.
Diesen Vorgang erfindet Charly Loth mit jeder seiner Skulpturen neu und arbeitet dabei mit der Vermittlung von wechselnden Stimmungen. Das Werk „Batiment“ – Gebäude – wirkt streng und monumenthaft aber auch ruhend und konzentriert, „Balance“ hingegen wirkt spielerisch und sowohl Zwillingstanz als auch Duo III erzeugen eine vertraut harmonische Stimmung. Es sind diese beiden Werke, die ein weiteres Merkmal das Schaffen Charly Loth kennzeichnen lassen: Viele seiner Werke sind eine Doppelform – ein Körperpaar. Ein Körper lässt sich in seiner Position zum anderen verändern, aus ihm herausnehmen oder mit ihm vereinigen, wobei die Körper immer aufeinander bezogen bleiben und sind niemals mehr für sich alleine. Und spätestens bei diesem Gedanken berühren und bewegen uns diese Werke und nicht umgekehrt.