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'Ein Maler bin ich nicht, ein Dichter bin ich nicht.
Ich bin ein Stück Natur, welches malt.' Adam Lude Döring

Adam Lude Döring ist ein Artist der linearen Figur, ein Denkspieler mit dem Zeichenstift, ein Regisseur simultaner Szenerien, in denen Erschautes und Erdachtes, Kontemplatives und Ironisches vereint sind. Er legt seinen Bildern ein bald mehr, bald weniger sichtbares lineares Quadratgitternetz zugrunde, in dem seine Figuren gefangen, von dem sie aber auch gehalten werden. So stürzen sie nicht in die Endlosigkeit des Raums. Das graphische Muster besteht jeweils aus hundert Quadraten. Die Hundertfelder, wie Döring sie nennt, schaffen eine dialektische Spannung. Sie erhöhen die Plastizität der Figuren, während diese die Flächen fühlbarer machen. Nur selten finden sich, als ob sich der Zeichner von der exakten Bestimmtheit seiner Arbeiten erholen wollte, barock bewegte, in den Konturen phantastisch ausufernde Gestalten in freiem Raum.
Im allgemeinen bringt Döring nur Köpfe und Hände ins Bild: Profilköpfe, die meist augenlos sind, dafür aber um so intensiver auf den hintergründigen Klang der Dinge oder auf eine ferne Sphärenmusik zu horchen scheinen, und Hände, deren glatte, schlangenhafte Finger mit Kugeln spielen oder nach etwas Ungreifbaren tasten.
Wie denn das Spielerische überhaupt als Thema und als Formprinzip ein konstituierendes Element der Döringschen Bildwelt ist. 'Ich möchte', so schrieb er 1972 zu seiner Ausstellung in der Münchner Galerie Rutzmoser, 'etwas Einfaches machen, Stabiles, einen Menschen, der einfach dasteht, und immer wieder denselben, der nicht zur Seite blickt, und mache doch dauernd Profile, Tänzer, Artisten. Die Linie ist für mich Profil und Tänzer. Meine Augen sehen immerzu, und ab und zu sind sie verzaubert. Die Verzauberung geschieht an den gleichen Dingen, die ich immerfort sehe. Von diesem besonderen Sein der Dinge soll etwas in meinen Bildern sein.' (Wilhelm Gall)