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Schnell kommen wir beim Betrachten der Werke von Wolfgang Neumann auf das aktuelle politische Geschehen zu sprechen oder fühlen uns an Themen aus Literatur- und Kunstgeschichte erinnert. Anlässe zur Bildnerei finden sich für den informationssensiblen Maler und Zeichner im alltäglichen Medienvielerlei: „Der Input funktioniert eigentlich pausenlos auf allen Kanälen. So wie ein Bartenwal schwimme ich durch einen Strom an Informationen und es bleibt entsprechend viel Futter und Analogfutter hängen. Ich sammle Ausschnitte und Jpegs wie auch eigene Schnappschüsse. Manchmal gibt es schon Bildtitel oder kleine Scribbles. Zumeist das bewusst wie unbewusst Doppelbödige, Schillernde und Schräge. In mancher Meldung wie auch mancher Bildvorlage steckt dann schon ein Funken Metaphorik drin, der noch Veredelung oder andere Tendenzen benötigt. Es ist mir wichtig, dass es über die Situation hinaus deutet und mit meiner Seherfahrung abgeklopft, abgeglichen und abgerundet wird. Also ein bloßer Bildwitz oder Kalauer wäre jetzt nicht ausreichend als Sujet. Ich will ein großes Moment an Zeitgeistigkeit und Zeichenhaftigkeit.“

Als vielschichtige, intellektuelle Herausforderungen kennzeichnen seine grotesken bis anarchistischen Bildfindungen einen Künstler, der sich selbst stärker in der Rolle eines Skeptikers, denn eines Kritikers unserer Medien(un)wirklichkeit sieht. Denn bei den Zitaten aus unseren kollektiven medialen Erinnerungen, entziehen sich die einzelnen thematischen Segmente dieser Bilder einer konkreten Deutung. Seine Malerei dokumentiert und kommentiert somit multiple Ausschnitte von Wirklichkeit.

Die Gestaltung seiner Mischtechniken auf Leinwand und der Einsatz des Pinsels ist bei aller gegenständlichen Kontroverse kontrolliert vielseitig, so dass Adrienne Braun im August im Art-Magazin konstatierte: „Das ist pure Freiheit, lustvoll und verstörend zugleich, widersprüchlich und doch so verführerisch, dass man sich in diesen Bildern verliert wie beim hemmungslosen Surfen im Netz.“